Kritik an dynamischen Auf und Abstiegs-Modell

Als wir vor 2 Jahren die Regelung einführten, dass schwächere Spieler einen Torvorsprung erhalten, geschah dieses vor dem Hintergrund, die Liga so ausgeglichen wie möglich zu machen und neue Spieler bzw. Mannschaften zu motivieren. Die Vergangenheit zeigte, dass immer wieder das selbe Team die Liga dominierte, Nachwuchsmannschaften dadurch demoralisiert wurden und nach 1-2 Jahren auf den Sack kriegen keine Lust mehr hatten.

Und genau vor diesem Hintergrund müssen wir geplante Veränderungen betrachten.
Die Liga wäre perfekt ausgeglichen, wenn jeder Spieler ein Handicap hätte, mit dem er eine Gewinnquote von idealer Weise 50% erreicht. Dann stehen die Chancen 50:50 ein Spiel zu gewinnen. Das unterstützt das dynamische Modell in keinster Weise. Gerade Spielern mit einem höheren Handicap werden schnell (wenige Referenzspiele) runtergestuft. Das hat zur Folge, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sie Spiele gewinnen erhöht wird.

Ich möchte euch bitten, euch mal in die Lage eines Spielers mit dem Handicap „2“ zu versetzen (Zur Erinnerung: diese Spieler sollten geschützt werden, deshalb haben wir die Regelung eingeführt).
Spielt ein solcher Spieler mit einer Gewinnquote unter 50%, so wird er frühstens nach 16 Spielen heruntergestuft, anders ausgedrückt und aus seiner Sicht betrachtet, steigen seine Gewinnchancen durch Tor vor erst nach 16 Spielen. Angenommen er spielt gegen einen Gegner mit dem Handicap „5“, so wird der schon nach 8 Spielen heruntergestuft, bzw. seine Gewinnchancen erhöht.

Dazu ein aktuelles Beispiel aus der erstellten Ligaspieler-Übersicht:

Dirk M. und Sven von der 1. Liga sind beide als 5 eingestuft und haben im Doppel eine Gewinnquote von 50%. Das bedeutet in Ihrem Fall der Abstieg zur 4.
Niklas und Julian von GZSZ sind beide als 2 eingestuft und haben im Doppel eine Gewinnquote von 50%. Das bedeutet in Ihrem Fall Aufstieg zur 3.

Spielen diese Paarungen nun gegeneinander, so liegt Gewinnchance vor dem Auf- bzw. Abstieg für jede Mannschaft bei 50% mit der gegebenen Tor-vor-Regelung. Nach dem Auf- bzw. Abstieg verbessert sich die Gewinnchance für Dirk und Sven erheblich, da statt 3 nur noch 1 Tor aufgeholt werden muss. Das vor dem Hintergrund, dass es vorher ausgeglichen war, ist unverständlich und entspricht nicht dem Sinn der Regelung.
Eine Einteilung in getrennte Doppel und Einzelwertungen finde ich sehr sinnvoll, würde es sogar noch um eine dritte Einteilung „Goliewar“ erweitern. Denn wer im GW ne Macht ist, der muss noch lange nicht im Einzel etwas reißen können.

Natürlich muss es eine Auf- und Abstiegsregelung geben um Spielstärken anzupassen, ich plädiere aber stark dafür, dies zu einem einheitlichen Zeitpunkt für alle Spieler zu machen. Entweder am Ende der Saison oder auch nach der Hinrunde und am Ende.

Konkreter Vorschlag:
Es müssen mindestens 4 Spiele in einer Kategorie (Doppel, Einzel, GW) absolviert worden sein, um zur Halbzeit oder am Ende auf- oder abzusteigen. Es steigt derjenige Spiele auf, der mehr als 66,6% seiner Spiele gewonnen hat. Wer weniger als 33,3% seiner Spiele gewonnen hat, steigt ab.

Es ist zu überlegen, ob auch Spiele in die Wertung eingehen sollen, bei denen es um nichts mehr geht, z.B. führt eine Mannschaft schon 6:2. Das verhindert evtl. dass unterlegene Mannschaften abgeschlachtet werden müssen, damit man aufsteigen kann, es verhindert dass Spieler absichtlich oder nachlässig verlieren um nicht aufzusteigen oder gar abzusteigen und es verfälscht nicht das eigentliche Leistungspotential eines Doppels, nur weil die aus Spaß die Positionen (Sturm-Tor) getauscht haben und vielleicht verlieren, auch wenn sie andersrum stärker spielen.

Ich freue mich auf rege Diskussionen und wünsche mir, dass sich auch mal Spieler mit einem wenn auch nur kurzen Statement einbringen, die spielen und hier lesen, sich aber sonst eher zurückhalten.

Gruß Henning Kurth

Kommentare

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Spontane Einwände von mir:

Spontane Einwände von mir:

- Handicap 6 wäre nach deinem Modell für 1/3 unserer Spieler vermutlich sehr schnell (zu schnell?) erreicht. Da werden sich dann einige Leute von dem Denken verabschieden müssen, dass Stufe 6 für Elite steht. Sie steht dann einzig und allein für maximalen Schutz für schwächere Spieler. So total abwegig find ich das gerade nicht. Könnte ich mit leben. ABER ...

- Wenn wir anfangen Spiele zu klassifizieren in Klassen wie: "In diesem Spiel ging es um nix mehr", mögen wir
zwar ein Abschlachten verhindern, aber wir steigern halt auch die "Nachlässigkeit" der Spieler. Genau diese "Nachlässigkeit" bzw. "Gleichgültigkeit", führt in meinen Augen zu unkonstanten Spielern. Wäre dann halt mehr ein Schritt in Richtung "Hauptsache Fun"-Liga.

- Rein technischer Aspekt: Für mich ist es schwer festzustellen in welchem Spiel es um nichts mehr ging. Dazu müsste im Spielbogen dann in Zukunft auf jeden Fall die Reihenfolge der Spiele festgehalten werden.

- Eine Anmerkung zu "Spielt ein solcher Spieler mit einer Gewinnquote unter 50%, so wird er frühstens nach 16 Spielen heruntergestuft, anders ausgedrückt und aus seiner Sicht betrachtet, steigen seine Gewinnchancen durch Tor vor erst nach 16 Spielen". Das Wort frühestens ist nicht richtig. Verliert der Spieler mit Handicap 2 alle Spiele, so wird er bereits nach 8 Spielen runtergestuft. Ausserdem unterstellst du dass der Spieler mit Handicap 2 total chancenlos ist gegen den Spieler mit Handicap 5 und seine Gewinnchance nur durch ein Abstieg auf 1 gegeben ist (was für dich zu spät passiert), aber dabei vergisst du zu erwähnen, dass der Spieler mit Handicap 2 bereits jetzt 3 Tore vor hat. Die müssen auch erstmal aufgeholt werden....

- Mir ist in erster Linie eine ergebnisorientierte Einstufung wichtig. Das wäre in "deinem" Modell auch drin. Im dynamischen seh ich aber zusätzlich zum Schutz für schwache Spieler mehr Spannung und mehr Kampfgeist bzw. Motivation für ALLE Spieler.

- Um es nochmal auf den Punkt zu bringen: Dein Modell schuetzt einzig und auschliesslich schwache Spieler. Ist erstmal ok so. Aber starke Spieler steigen ohne grosse Probleme auf und kommen von dort "oben" nie wieder runter.
In meinem Modell werden sowohl schwache geschuetzt, als auch starke Spieler gefordert, weil sie mehr kaempfen muessen, um da zu bleiben wo sie sind oder um eventuell noch höher zu kommen. Der Anreiz/Motivation wird so fuer die starken Spieler größer sein. Diese erhöhte "Kampfbereitschaft" kann sich unter Umständen wiederrum negativer fuer die schwächeren Spieler auswirken als in deinem Modell. Das geb ich auch unumwunden zu, ändert aber nichts daran dass die schwächeren Spieler weiterhin Tore-Vor kriegen und somit also durchaus ihre Chance haben. Als Beispiel schau dir mal Gero an: In meinem Modell würde er aufgrund seiner "schwachen" letzten 5 Doppel-Spiele eher absteigen. Auch wenn er die nächsten 2 Spiele gewinnt. In deinem Modell wäre Gero nach nur noch zukünftigen 2 Siegen auf Stufe 6 aufgestiegen. D.h. mindestens Gero und Dirk S. spielen vermutlich in der nächsten Saison dann bereits mit Handicap 6.

Vielleicht muss noch

Vielleicht muss noch deutlicher hervorgehoben werden, dass ein Spieler mit Handicap 2 bereits nach 8 Niederlagen IN FOLGE herabgestuft wird.
Wenn man aber bedenkt, dass ein schwächerer Spieler meist eher selten zum Zug kommt, dann bedeutet dies für diesen Spieler fast eine ganze Saison voller frustrierender Niederlagen, bevor er ein besseres Handicap bekäme und so könnte er schon vorher die Lust am Spielen verlieren. Zumal diese 8 Spiele nicht für Einzel- und Doppelspiele zusammen zählen, sondern getrennt. Ein schwächerer Spieler spielt auch eher selten Einzel, er bräuchte dann in dieser Disziplin sogar wesentlich mehr als eine Saison, bis die 8 Niederlagen erreicht sind (abhängig von der Anzahl der teilnehmenden Mannschaften).
Es ist für einen Spieler mit Handicap 2 sicherlich nicht ganz so schlimm, wenn er von 16 Spielen die Hälfte gewinnen würde und auch dann würde sich das Handicap auf 1 verringern.

Trotzdem: Vielleicht müssten wir die Anzahl der benötigten Spiele zur Anpassung des Handicaps nochmal korrigieren.

Aber wer sagt denn, dass die

Aber wer sagt denn, dass die Verringerung des Handicaps die Antwort auf die Probleme eines Spielers ist?
Das vorgeschlagene Auf- und Abstieg-Modell reagiert dank der Dynamik auf jede Sieges- und Niederlagenserie mit Torvorsprung oder Torabzug und reguliert damit zumindest einigermaßen die spielerischen Vor- oder Nachteile.
Da nur die Spiele gegen gleich starke Spieler einen Aufschluss über die tatsächliche Spielstärke zulassen, sollten diese vielleicht eine höhere Wertigkeit bekommen?

Bild von Christian

Dass die Parameter noch

Dass die Parameter noch korrigiert und angepasst werden müssen, habe ich ja bereits immer wieder betont!

Ich seh eigentlich eine ganz einfache Lösung für das obige Poblem: Wirkliche Anfänger fangen eben einfach mit dem Handicap 1 an. Das gilt vor allem für die Einzel-Disziplinen! Hier sollte das Starten mit Handicap 1 Pflicht sein! Es sei denn die Spielstärke des Spielers ist bekannt und im Einzel klar höher als 1.

Dass nur Spiele berücksichtigt werden die vom Handicap her einigermaßen ausgeglichen sind, oder dass diese zumindestens höher gewichtet werden (Ähnlich dem ELO-System), als wenn ein klar stärkerer Gegner gegen einen klar schwächeren gewinnt, um den "Abschlachtungseffekt" zu minimieren, ist durchaus von mir angedacht. Erhöht natürlich wiederrum die Komplexität der Handicap-Berechnung und wurde von mir erstmal nicht implementiert, solange ich nicht sicher bin, dass ein ergebnisorientiertes Einstufungssystem überhaupt von der Mehrheit der Ligaspieler gewollt ist.

Meine Idee dazu wäre dass man Spiele nach ihrer Handicap-Differenz klassifiziert. Die minimale Differenz wäre 0 und die maximal denkbare Differenz wäre 5. In letzterem Fall spielt ein absoluter Anfänger (Handicap: 1) gegen einen sehr starken Gegner (Handicap: 6) und erhält 5 Tore vor. Die Chance für den schwachen Spieler zu gewinnen ist also sicherlich gegeben, zumal er vermutlich unkonventionell spielt und viele Eier zu erwarten sind, was den starken Spieler zusätzlich zu seinem "psycholgischen" Handicap, dadurch dass er im Rückstand liegt, in Bedrängnis bringt. Sobald das Spiel beendet ist, geht das Spielergebnis als "Frühere Siege" + 1 auf der Siegerseite und als "Frühere Niederlagen" + 1 auf der Niederlagenseite in die Handicap-Berechnung ein und anhand der Prozentwerte des Einstufungsmodells wird das Handicap dann neu bestimmt. Um aber die besondere Ausgangs-Situation (Schwacher spielt gegen einen Starken) in das Bewertungssystem eingehen zu lassen, müssen auch die verschiedenen Ausgangssituationen (verschiedene Handicaps) zusätzlich zum Spielergebnis eingehen.
Gewinnt - so wie es eigentlich zu erwarten ist, aber durch das Tore-Vor-Prinzip erschwert wird - der stärkere Spieler, so muss dieser Sieg (bzw. die Niederlage für den Schwachen) weniger zählen, als wenn der schwächere Spieler gewinnt. Anderseits muss dieses Spiel grundsätzlich weniger "wert" sein, als ein Spiel dass mit ausgeglichenerer Handicap-Differenz stattfindet, egal wie es ausgeht.

Hier mal ein konkretes Beispiel wie man eine solche Gewichtung von Spielen durchführen könnte:

Differenz Sieg starker Spieler/Niederlage schwacher SpielerSieg schwacher Spieler/Niederlage starker Spieler
01/11/1
11/11/1
20.8/0.80.9/0.9
30.7/0.70.8/0.8
40.6/0.60.7/0.7
50.5/0.50.6/0.6

Anwendungsbeispiel: Spielt nun ein Spieler mit Handicap 2 gegen einen Spieler mit Handicap 4, würde bei Sieg des schächeren Spielers, der schwächere Spieler: "Frühere Siege" + 0.9 und der stärkere Spieler: "Frühere Niederlagen" + 0.9 erzielen. Umgekehrt bei Sieg des stärkeren Spielers erzielt der stärkere Spieler: "Frühere Siege" + 0.8 und der schwächere Spieler: "Frühere Niederlagen" + 0.8.

Um aufzusteigen braucht der Spieler mit Handicap 2 momentan eine Quote von 50% über die letzten 8 Spiele. Spielt dieser Spieler nun in der Regel nur gegen Leute mit Handicap 4, so benötigt er nicht nur 4 Siege zum Aufstieg, sondern 5 Siege (5*0.9/8*100=56,25%). Die Siege (und auch die Niederlagen) sind also weniger wert. Der schwächere Spieler hat zwar gegen den stärkeren Spieler letztendlich gewonnen, aber nicht komplett aus eigener Kraft, denn er hatte ja auch 2 Tore Vorsprung.

Der Spieler mit Handicap 4 brauchte bisher 9 Siege von 12 Spielen (75%) zum Aufsteigen. Spielt er nur gegen Leute mit Handicap 2, so braucht er nun 12 Siege aus 12 Spielen (12*0.8/12*100=80%)! Spielt er gegen noch schlechtere Handicps, kann er das Ziel gar nicht mehr erreichen. Entweder passt man also hier noch die Prozentwerte an oder der stärkere Spieler muss sich aktiv Paarungen mit Handicaps suchen die ihm ein Aufsteigen ermöglichen und eben nicht "Unter seinem Marktwert" gegen schwächere Spiele spielen. Diese Art der Gewichtung von Spielen würde also zusätzlich ausgeglichenere Spiele unterstützen.

Eine alternative Idee von mir wäre nur Spiele mit Summanden 1 zu zählen, wenn alle Sätze des Spiels, die der Spielgewinner gewonnen hat, mit mehr Tordifferenz als Handicap-Differenz ausgegangen sind. Das heisst also gewinnt der schwächere Spieler mit Handicap 2 gegen den stärkeren mit Handicap 4 und die Satzergebnisse waren: 7:4 6:7 7:4, so zählt dieses Spiel mit Siege/Niederlage + 1, während ein Spiel mit Satzergebnis: 7:5 7:5 einfach nicht in die Bewertung der Handicaps mitaufgenommen wird. Das heisst der schwächere Spieler muss so quasi beweisen, dass er prinzipiell kein Torvorsprung benötigt hätte, weil er schneller "7 Tore - Handicapdifferenz" geschossen hat als der andere (Psychologie wird einfach mal nicht berücksichtigt). Bei Sieg des stärkeren Spielers muss dieser ebenfalls mit sovielen Toren Abstand gewinnen wie die Handicapdifferenz vorgibt (D.h. in unserem Beispiel darf der schwächere Spieler in allen Gewinnsätzen des stärkeren Spielers nicht mehr als 2 echte Tore schiessen, während der stärkere 7 Tore erzielen muss).

Mein Gott, es wird immer

Mein Gott, es wird immer komplizierter...aber solange du die Ergebnisse bearbeitest...Beeindruckt

Vorschlag 1: So in etwa hab ich mir das auch gedacht, die Zahlen muss man vielleicht nochmal durchgehen. Ich hätte nur gedacht, dass ein Sieg eines schwächeren Spielers bei einem Sieg gegen einen stärkeren auch trotz des Torvorsprungs grundsätzlich höher gewichtet werden sollte. Also bei 5 Toren Vorsprung 1, bei 4 Toren vor 1,1 bis 1,5 bei ausgeglichenem Handicap. Beim Sieg eines stärkeren Spielers sollte die Gewichtung natürlich runtergehen. Von 1,5 bei 0 Tore vor, über 1 bei einem Tor vor und dann jeweils 0,8 bis 0,5.
Damit hätten die Spiele gegen gleich starke Spieler denn auch die höhere Gewichtung bekommen und ein (zu erwartender) Sieg mit 5 Toren Vorsprung würde nicht übermäßig gewertet.

Vorschlag 2: Wenn ein Spiel nicht in die Handicap-Bewertung eingeht (was wahrscheinlich häufiger passieren könnte), dann ist der Sieg also nur für die Teamwertung in der Meisterschaft. Dadurch gäbe es weniger Bewegung in der Handicap-Bewertung, es würde deutlich länger dauern, bis die nötigen Ergebnisse für eine Handicap-Änderung bei einem Spieler erreicht sind. Dieser Vorschlag könnte denjenigen besser gefallen, die bisher die häufigen, und damit unübersichtlichen, Handicap-Änderungen kritisiert haben.
(Was passiert bei deinem Beispiel bei 7:6 7:4?)

Das gibt ne rege Gesprächsrunde heute Abend...